BeansJam Mobile

Samstag 0:30 Uhr, Collabor8. Nach einer spannenden Auftaktveranstaltung am Freitagabend und dem Voting der Themen starren Entwickler konzentriert auf den Code in ihren IDEs, suchen Designer nach den optimalen Farben für ein Auto Sprite und im Hintergrund dröhnt der Beat aus den Kopfhörern des Sound-Designers.

Nein, das ist kein typischer Arbeitstag bei OTTO. Diese Szene stammt mitten aus der heißen Phase des BeansJam, einem vom Internet-Sender Rocket Beans TV ausgerichteten Game Jam. Ziel des Jams war es innerhalb von 48 Stunden ein Spiel, zu von der Rocket Beans Community vorgegebenen Themen, zu entwickeln. Von der Konzeption über das Design bis hin zur Programmierung. OTTO war dabei nicht nur als Sponsor beteiligt, sondern stellte auch drei Teams bestehend aus Mitarbeitern, die sich zum ersten Mal an einem Game Jam versuchten. Der Beans Jam stand zwar ganz unter dem Stern Mobile Games, dennoch waren auch andere Spiele zugelassen. So erarbeitete ein OTTO Team zum Beispiel ein analoges Kartenspiel.

Die jeweiligen Zwischenstände wurde durch mehrere Live Schalten vom Rocket Beans TV Studio zu den Teams ins Collabor8 begleitet, zusätzlich gewährten einige Teammitglieder über ihre persönlichen Twitch Streams Echtzeit-Einblicke in die Entwicklung.

Neben einer Menge Spaß, sehr wenig Schlaf und fertigen Spielen konnten wir auch einige spannende Erkenntnisse aus dem Wochenende mitnehmen. Agile (Entwicklungs-) Methoden, die wir aus unserer täglichen Arbeit bei OTTO kennen und nutzen, funktionieren auch unter den extremen Bedingungen eines Game Jams.

Elementar für die Abgabe eines fertigen Spiels nach 48 Stunden ist es die Spielmechanik auf das Nötigste zu reduzieren. Dabei mussten wir in der Konzeptionsphase aus den zahlreichen tollen Funktionalitäts-Ideen, diejenigen auswählen, die den Kern unseres Spiels ausmachen sollten und den Rest schweren Herzens verwerfen. Wir definierten quasi das MVP unseres Spiels.

Über mehrere spontane Stand-Ups, in denen das ganze Team zusammenkam und viele kurze Absprachen derjenigen die an eng verzahnten Funktionen arbeiteten, hielten wir uns gegenseitig auf dem aktuellen Arbeitsstand. Auch die Identifizierung noch offener Aufgaben und die Verteilung dieser auf die Teammitglieder erfolgte in diesem Rahmen. Gerade gegen Ende des Jams halfen die Termine sehr bei der Priorisierung des weiteren Vorgehens.

Um uns nicht in Kleinigkeiten zu verzetteln, versuchten wir in möglichst kleinen Iterationen vorzugehen. Also zunächst nur die Grundidee eines Aspektes umzusetzen (zum Beispiel mit Platzhaltergrafiken, ohne Animationen), zu testen ob die Funktionalität sich so verhält wie gewünscht und sie erst dann auszubauen. Dabei war die 4:44 Regel sehr hilfreich. Sie besagt, dass die Grundmechanik des Spiels in 4 Stunden entstehen und die restlichen 44 Stunden nur aufs Perfektionieren/Polieren verwendet werden sollten. Die Entstehung inkompatibler Codestände durch voneinander unabhängig arbeitenden Entwickler konnten wir über die Integration in Form von Git am Ende jeder kurzen Iteration weitestgehend vermeiden.

Trotz des kurzen Zeitraums waren wir, dank zahlreicher Entwicklerbeteiligung, in der Lage zum Teil Pair Programming einzusetzen. Dabei viel auf, dass zwar auch zwei übermüdete Entwickler vor einem Rechner teils triviale Fehler machen, diese aber viel schneller finden als alleine. Dennoch ist auch bei einem Game Jam die Wichtigkeit von Schlaf nicht zu unterschätzen. Wir merkten regelmäßig wie mit zunehmender Müdigkeit die Leistungsfähigkeit abnahm und selbst die Erledigung kleinster Aufgaben unverhältnismäßig viel Zeit kostete. 48 Stunden Durchmachen ist also nur bedingt sinnvoll.

Rückblickend ist es interessant, dass wir unbewusst die uns aus dem Arbeitsalltag bekannten Agile Methoden auch während des Game Jams anwendeten, ohne uns dies vorzunehmen oder zu planen. Umso erfreulicher, dass die oben genannten Methoden auch dem Härtetest des Game Jams standhielten.

Abschließend möchten wir jedem, der sich für Spiele begeistert, ans Herz legen an einem Game Jam teilzunehmen. Selbst wenn am Ende kein fertiges Spiel herauskommen sollte, so ist alleine der gesammelten Erfahrungsschatz Belohnung genug. Der Stolz ein fertiges Spiel abgeben zu können ist dabei nur ein Bonus.

Die entstandenen Spiele stehen hier zum Ausprobieren bereit:

Das folgende Video gewährt mit den Highlights vom Freitag einen kleinen Einblick in den Jam.