Otto goes AWS

160+ Services, 24 Teams, 1 Jahr

Die Cloud steht für Skalierbarkeit, Kosteneffizienz und kurzer Time to Market für neue Features. Davon will auch otto.de profitieren und trat deshalb im Sommer letzten Jahres die Migration in die AWS an.

Zunächst stellte sich die Frage, wie das Ganze organisatorisch ablaufen soll. Zentral oder dezentral? Agil oder konservatives Projektmanagement? Entschieden haben wir uns für alles gleichzeitig – eine weitestgehend dezentrale Umsetzung mit hybridem Projektmanagementansatz.

Organisatorisch wurde dafür ein zentrales Migrationsteam geschaffen, das zur Unterstützung unserer dezentralen Entwicklungsteams diente. Das Motto ist hier immer Hilfe zur Selbsthilfe mittels eines Patenkonzeptes. Jedes Team hatte also einen festen Ansprechpartner, mit dem Architekturentscheidungen, konkrete Implementierungsdetails oder Fragen rund um den kulturellen Wandel besprochen wurden. Etabliert wurde zudem ein begleitendes Rahmenprogramm bestehend aus sechs Workshops, in denen über zentrale Konzepte, Probleme oder Call-for-Support von Team zu Team gesprochen wurde. Die Agenda war in der Regel agil gestaltet und änderte sich mehrfach am Tag je nach Bedarf.

Die Entwicklungsteams arbeiteten weiterhin im agilen Modus und synchronisierten regelmäßig den Fortschritt mit dem zentralen Projektplan, der eine Art Meilensteinplan war. Risiken konnten so frühzeitig erkannt und durch entsprechende Maßnahmen minimiert werden.

Wichtige Fragestellungen während der Migration waren:

  • Zentrale vs. dezentrale Umsetzung bestimmter Aspekte
  • Strategie bei der Begleitung unserer Entwicklungsteams
  • Implementierung einer Security-Strategie
  • Kommunikation zwischen unseren einzelnen Services, insb. VPN oder kein VPN?
  • Umgang mit Vendor-Lock-in Effekten
  • Eigenentwicklung von Services vs. standardisierte High-Level-Services

Diese und weitere Fragen werden in noch folgenden Beiträgen betrachtet.

Aber was war nun die größte Herausforderung? Es war nicht die technologische Umsetzung, sondern der kulturelle Wandel hin zu einem dezentralen Betrieb der Infrastruktur. Zuvor lag die Betriebsverantwortung bei einer zentralen Operationseinheit. Nun sind die Teams vollständig eigenverantwortlich und müssen sich mit Themen wie Bereitschaft oder Disaster Recovery auseinandersetzen. Es ist also in jedem Fall sinnvoll ein solches Projekt mit entsprechenden Change Management Maßnahmen zu begleiten.

Nach diesem sehr spannenden und ereignisreichen Jahr ist nun die Grundlage für die immer wachsenden Anforderungen – z.B. das Plattformprojekt – gelegt.